Schriftliche Steuerberaterprüfung 2026 - Die Themen
Vom 06. bis 08.10.2026 fand die diesjährige schriftliche Steuerberaterprüfung statt. In diesem Beitrag erfahren Sie, welche Themen es in diesem Jahr zu bearbeiten galt. Als Grundlage dienen hierbei Gedächtnisprotokolle von Teilnehmern der Steuerberaterprüfung. Daher erheben wir hier keinen Anspruch auf Vollständigkeit und verzichten bewusst auf Lösungswege. Eine ausführliche Klausurbesprechung durch unsere Dozenten werden wir Ihnen - wie auch bereits in den vergangenen Jahren - zu einem späteren Zeitpunkt bereitstellen.
Aufbau und Punkteverteilung
Die schriftliche Steuerberaterprüfung ist immer gleich aufgebaut:
- Tag: Gemischte Klausur
- Tag: Ertragsteuern
- Tag: Buchführung und Bilanzwesen
Die Punkteverteilung sah dabei wie folgt aus:
| Klausur | Aufgaben | Punkte |
| Gemischte Klausur | Abgabenordnung | 35 |
| Gemischte Klausur | Umsatzsteuer | 35 |
| Gemischte Klausur | Bewertung und Erbschaftsteuer | 30 |
| Ertragsteuern | Einkommensteuer | 40 |
| Ertragsteuern | Internationales Steuerrecht | 20 |
| Ertragsteuern | Gewerbesteuer | 20 |
| Ertragsteuern | Körperschaftsteuern | 9 |
| Ertragsteuern | Körperschaftsteuer & Umwandlungssteuer | 11 |
| Buchführung und Bilanzwesen | Einzelunternehmen | 50 |
| Buchführung und Bilanzwesen | Kapitalgesellschaft | 20 |
| Buchführung und Bilanzwesen | Personengesellschaft | 30 |
Tag 1 der schriftlichen Steuerberaterprüfung 2026 - gemischte Klausur
Abgabenordnung
In diesem Jahr drehte sich die AO-Aufgabe um eine Außenprüfung bei einem Kleinbetrieb der Gastronomie-Branche sowie einen Mandantenwechsel. Geprüft wurden folgende Themen:
- Außenprüfung mit Mängeln in der Kassenführung
- Bescheide, die nach der Prüfung an den bevollmächtigten Steuerberater bekanntgegeben wurden
- Versäumte Einspruchsfristen durch die Kanzlei
- Wiedereinsetzung in den vorigen Stand
- Prüfungsanordnung für eine Anschlussprüfung, elektronisch bekanntgegeben an den bisherigen Steuerberater nach Kündigung des Mandats
- Einspruch gegen die Prüfungsanordnung mitsamt Zulässigkeit, Einspruchsfrist, Ermessensausübung des Finanzamts und vorgetragenen Einwänden des Mandanten
- Möglichkeit einer Klage beim Finanzamt
- Vorläufiger Rechtsschutz
- Verschiebung des Prüfungsbeginns aus betrieblichen Gründen
Umsatzsteuer
Die Aufgabe im Bereich Umsatzsteuer drehte sich um einen Bauunternehmer als Einzelunternehmer. Hier galt es folgende Sachverhalte zu bearbeiten:
- Einbringung des Einzelunternehmens in eine GmbH und Zurückbehaltung des Betriebsgrundstücks mit der Frage nach einer umsatzsteuerlichen Organschaft im Rahmen einer Betriebsaufspaltung
- Erwerb eines Grundstücks mit Gebäude im Bau, geplante Vermietung an eine Logopädiepraxis, später Vermietung an einen Rechtsanwalt und unentgeltliche Überlassung eines Teils an die Tochter. Zudem Option zur Steuerpflicht und Vorsteuerabzug.
- Bauleistungen eines Bauunternehmers mit Abschlagszahlungen und Skonto (Steuerschuldnerschaft des Leistungsempfängers nach § 13b UStG)
- Verbringen von Baustoffen aus einer ausländischen Betriebsstätte
- Kauf eines Motorrads von einem Händler in Österreich, Zuordnung zum Unternehmen, Privatnutzung, Überlassung an den Sohn und späterer Verkauf als Neufahrzeug an eine Privatperson in Italien
- Lieferung von Gartenhütten an den Inhaber und an einen Angestellten (Mindestbemessungsgrundlage)
- Unternehmereigenschaft bei einer weisungsgebundenen Geschäftsführertätigkeit
Bewertung und Erbschaftsteuer
In diesem Jahr mussten die Teilnehmer der schriftlichen Steuerberaterprüfung eine Schenkung zu Lebzeiten bearbeiten. Im Sachverhalt übertrug ein Vater sein Einzelunternehmen (Sportgeschäft) auf seine Tochter.
- Bewertung des Betriebsvermögens im Substanzwertverfahren und im vereinfachten Ertragswertverfahren mit einer Vermögensaufstellung zum vorangegangenen Bilanzstichtag
- Bewertung eines unbebauten Grundstücks und eines teilweise vermieteten Betriebsgrundstücks
- Beteiligung an einer GmbH mit bereits festgestelltem Wert
- Unentgeltliche Mitarbeit der Tochter und angemessener Unternehmerlohn
- Verwaltungsvermögen, Finanzmittel, junge Finanzmittel und junges Verwaltungsvermögen
- Verschonung des Betriebsvermögens nach §§ 13a, 13b ErbStG
- Vorschenkung in Form eines Gelegenheitsgeschenks
- Gegenleistung in halbjährlichen, unverzinslichen Raten
- Freibetrag und Härteausgleich
Tag 2 der schriftlichen Steuerberaterprüfung 2026 - Ertragsteuern
Einkommensteuer (40 Punkte)
Die Einkommensteuer-Aufgabe drehte sich um ein Mehrfamilienhaus aus einer vorweggenommenen Erbfolge und eine GmbH. Zu beachten war dabei:
- Vorweggenommene Erbfolge mit Ausgleichszahlung an den Bruder
- Gebäude mit gemischter Nutzung: Vermietung an die eigene GmbH, fremdübliche Vermietung, verbilligte Vermietung und Eigennutzung
- Abgrenzung von Erhaltungsaufwand und anschaffungsnahen Herstellungskosten bei Bad-, Boden- und Heizungserneuerung
- Steuerermäßigung für energetische Maßnahmen nach § 35c EStG
- Betriebsaufspaltung mit der GmbH des Steuerpflichtigen
- Geschäftsführergehalt, Überlassung eines E-Scooters, Tantieme und Ausschüttung
- Werbungskosten bei Tätigkeit von zu Hause
- Verkauf von GmbH und Gebäude an einen Investor
Internationales Steuerrecht (20 Punkte)
Im Gegensatz zu den letzten Jahren war das internationale Steuerrecht nicht Teil der Einkommensteuer-Aufgabe, sondern bekam seine eigene. Zu bearbeiten war:
- Wegzug nach Französisch-Guayana zur Jahresmitte, ein Gebiet ohne Doppelbesteuerungsabkommen
- Arbeitslohn vor dem Wegzug und Abfindung nach dem Wegzug
- Verkauf eines GmbH-Anteils am Tag vor dem Wegzug
- Erweiterte beschränkte Steuerpflicht nach § 2 AStG
- Vermietungseinkünfte aus Lateinamerika mit ausländischer Steuer
- Erträge aus Aktienfonds bei einer inländischen und einer Schweizer Bank, Anleiheerträge
- Kryptowährungen mit Veräußerungsgewinnen innerhalb und außerhalb der Jahresfrist sowie Erträgen aus Lending
Gewerbesteuer (20 Punkte)
In der Gewerbesteuer-Aufgabe galt es folgende Themen zu bearbeiten:
- OHG mit gewerbesteuerlicher Organschaft zu einer GmbH
- Beteiligung der OHG an einer Grundstücks-OHG mit Betriebsvorrichtung und einer Verwaltungs-GmbH mit Haftungsvergütung
- Gewerbesteuerpflicht, gewerbliche Prägung und erweiterte Kürzung bei der Grundstücksgesellschaft
- Hinzurechnungen und Kürzungen, Beteiligungserträge in der Organschaft, Sonderbetriebseinnahmen
- Ermittlung der Gewerbesteuermessbeträge beider Gesellschaften
Körperschaftsteuer (9 Punkte) sowie Körperschaftsteuer und Umwandlungssteuer (11 Punkte)
Die Aufgabe im Themenbereich Körperschaftsteuer und Umwandlungssteuer drehte sich um folgende Themen:
- Gründung einer GmbH mit Verlusten vor Beginn der Tätigkeit und vor Eintragung ins Handelsregister
- Nicht abziehbare Betriebsausgaben
- Rückwirkend gezahltes Geschäftsführergehalt und von der GmbH übernommene Gründungskosten (verdeckte Gewinnausschüttung, verdeckte Einlage)
- Pensionszusage an die Geschäftsführerin
- Verkauf eines Mehrheitsanteils an einer GmbH mit hohem Verlustvortrag (§§ 8c, 8d KStG)
- Aufwärtsverschmelzung einer Tochtergesellschaft mit stillen Reserven (§ 12 UmwStG)
- Ermittlung des zu versteuernden Einkommens und Feststellung des Verlustvortrags
Tag 3 der schriftlichen Steuerberaterprüfung 2026 - Buchführung und Bilanzwesen
Wie in den Vorjahren waren in allen drei Aufgaben handels- und steuerrechtliche Würdigungen mit Korrekturbuchungen in drei Buchungskreisen (Handelsbilanz, Steuerbilanz bzw. beide) gefragt. Vorgabe war ein möglichst niedriger steuerlicher Gewinn. Folgende Vorgaben waren gegeben:
Einzelunternehmen (50 Punkte)
- Kauf einer Maschine gegen Anzahlung und fünf Jahresraten, Bewertung der Verbindlichkeit, Abschreibung und Investitionsabzugsbetrag nach § 7g EStG
- Garantierückstellung für zweijährige Gewährleistung mit Preisnachlässen und kostenloser Nachbesserung
- Prozesskostenrückstellung nach einer Abmahnung wegen Designähnlichkeit mit Urteil nach dem Bilanzstichtag
- Aktien im gewillkürten Betriebsvermögen: Kapitalerhöhung, Ausübung und Verkauf von Bezugsrechten, Teilverkauf für private Zwecke, Teilwertabschreibung
- Kauf einer Domain und Einrichtung der Website, laufende Wartung
Kapitalgesellschaft (20 Punkte)
- Kleine GmbH mit Fortentwicklung des vorläufigen Gewinns
- Kauf eines neuen Grundstücks mit hohen Nebenkosten, Abstandszahlung an den bisherigen Mieter, Umbau zum Ladenraum, Heizung und Malerarbeiten (Erhaltungsaufwand oder anschaffungsnahe Herstellungskosten)
- Austausch von Fluchttüren nach dem Bilanzstichtag
- Verkauf des bisherigen Betriebsgrundstücks mit Übertragung stiller Reserven nach § 6b EStG
- Verzicht der Gesellschafterin auf ein Darlehen
- Bewirtungsaufwendungen für die Einweihung
- Rückstellungen für Körperschaftsteuer und Gewerbesteuer
Personengesellschaft (30 Punkte)
- Aufnahme von zwei neuen Gesellschaftern in eine OHG zum Jahresbeginn (§ 24 UmwStG) mit Zuzahlungen an die Altgesellschafter
- Unentgeltliche Übertragung eines halben Mitunternehmeranteils auf den Sohn unmittelbar nach der Aufnahme
- Grundstück im Sonderbetriebsvermögen der Altgesellschafter
- Einbringung eines Schwertransporters aus dem Betriebsvermögen des neuen Gesellschafters (§ 6 Abs. 5 EStG)
- Eröffnungsbilanz, Ergänzungsbilanzen, Firmenwert, Krananlage und Gebäude mit Wertansätzen zum Jahresende
Einordnung gegenüber den Vorjahren
Ein Teil der Themen 2026 gehört zu den Gebieten, die in den Prüfungen der letzten Jahre regelmäßig vorkamen:
- Abgabenordnung: Bekanntgabe an einen Bevollmächtigten, Einspruchsfrist und Wiedereinsetzung in den vorigen Stand
- Umsatzsteuer: innergemeinschaftlicher Erwerb, Steuerschuldnerschaft nach § 13b UStG, Vermietung mit Option, Mindestbemessungsgrundlage
- Bewertung und Erbschaftsteuer: Bewertung von Betriebsvermögen, Verschonung nach §§ 13a, 13b ErbStG
- Ertragsteuern: internationaler Sachverhalt, verdeckte Gewinnausschüttung, Mitunternehmerschaft mit Sonderbetriebsvermögen, Hinzurechnungen und Kürzungen bei der Gewerbesteuer
- Bilanzsteuerrecht: Grundstücke, Rückstellungen, Ergänzungsbilanzen, Einbringung nach dem Umwandlungssteuergesetz
Neu oder nach längerer Pause wieder dabei waren unter anderem die Außenprüfung mit Prüfungsanordnung, der Investitionsabzugsbetrag nach § 7g EStG, die Aktienbewertung mit Bezugsrechten, die Verschmelzung mit Verlustvortrag, die Pensionszusage an Tag 2 und Kryptowährungen. Eine Übersicht der Themen 2022 bis 2026 mit Vergleichstabellen je Prüfungstag finden Sie im Beitrag Schriftliche Steuerberaterprüfung: Die Themen der Jahre 2022 bis 2026.