Liebhaberei auf Antrag bei kleinen Photovoltaikanlagen und BHKW

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Unzählige Mandanten betreiben PV-Anlagen bzw. ein BHKW und müssen die Gewinne versteuern. Doch das muss nicht sein. Auf Basis des wohl verrücktesten BMF-Schreibens des Jahres 2021 wird auf einfachem Antrag bei kleinen PV-Anlagen und BHKW unterstellt, dass sie ohne Gewinnerzielungsabsicht betrieben werden. Selbst bei vom Finanzamt nachgewiesenen Totalgewinnen! Der Antrag bietet damit ein erhebliches Gestaltungspotenzial zur Renditeoptimierung und Umgehung des bürokratischen Aufwands. Denn es sind nicht nur Neuanlagen, sondern auch uralte (längst abgeschriebene) Bestandsanlagen begünstigt.

Doch Vorsicht: Bei dem Antrag sind viele Besonderheiten und Voraussetzungen zu beachten. Insbesondere wenn der Mandant mehrere Anlagen betreiben oder den Strom nicht nur in das Stromnetz einspeisen sollte, ist eine detaillierte Prüfung unerlässlich. Zudem lauern Probleme im Verfahrensrecht: Was ist mit bisher versteuerten Gewinnen und Verlusten? Wie ist mit Abzügen nach § 7g EStG zu verfahren? Müssen durch den Übergang zur Liebhaberei stille Reserven gesondert festgestellt und versteuert werden? Ergibt sich durch den Antrag Steuersparpotenzial nach § 35a EStG? Wie sieht das Antragsverfahren bei Personengesellschaften aus? Können die Voraussetzungen durch eine Realteilung erfüllt werden? Was ist, wenn die Antragsvoraussetzungen künftig entfallen? In welcher Form und Frist kann der Antrag überhaupt gestellt werden (beachte: Fristablauf für Bestandsanlagen noch im Jahr 2022!)?

Themenplanung:

  1. Grundsatz: Antrag auf Liebhaberei / Nachweis Gewinnerzielungsabsicht
  2. Antragsvoraussetzungen
    a. Begünstigte PV-Anlagen und BHKW
    b. Betrieb mehrerer PV-Anlagen / BHKW
    c. Begünstigende Verwendung des erzeugten Stroms
    d. Form des Antrags
    e. Antragsfrist abhängig vom Zeitpunkt der Inbetriebnahme
    f. Antragstellung durch Personengesellschaften
  3. Auswirkung der Antragsstellung
    a. Folgen für noch nicht durchgeführte Steuerfestsetzungen
    b. Potenzielle Änderung bereits erfolgter Steuerfestsetzungen
    c. Änderungsvorschriften / materielle Fehler
    d. Auswirkung auf § 7g und § 35a EStG
    e. Besonderheiten bei „ausgeförderten Anlagen“
    f. Versteuerung und gesonderte Feststellung stiller Reserven
    g. Künftiger Wegfall der Antragsvoraussetzungen
  4. Ausblick
    a. Auswirkung auf die Umsatz- und Gewerbesteuer

Referent

Marvin Gummels, Dipl. Finanzwirt (Stakad)

2009 bis 2013 Tätigkeit in den Finanzämtern Norden, Emden und Uelzen. 2013 bis 2016 duales Studium an der Steuerakademie Niedersachsen. 2016 bis 2020 Tätigkeit im Finanzamt Aurich, unter anderem als Rechtsbehelfs- und Klagebearbeiter sowie Betriebsprüfer. Seit 2020 in der Groß- und Konzernbetriebsprüfung Oldenburg als Großbetriebsprüfer beschäftigt. Nebenberufliche Dozententätigkeiten, u.a. Steuerakademie Niedersachsen, IAF-Institut, Taxnews. Verfasser diverser Fachaufsätze für den IWW und NWB-Verlag.

Zielgruppe

Das Seminar richtet sich an Steuerberater:innen und Mitarbeiter:innen in Steuerkanzleien oder -abteilungen.

 

Hinweis: Alle Seminar-Preise sind zzgl. MwSt.

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05.07.2022 08:00 — 09:45